Ruhezustand für *Ubuntu

Wer kennt nicht das Problem? Man muss schnell mal für 1–2 Stunden weg, hat aber gefühlte 100 Fenster offen, die unterschiedlichsten Programme laufen, und man möchte nicht bei der Rückkehr alles wieder einzeln hochfahren, aufrufen etc. Ebenso wenig möchte man den Rechner aber laufen lassen, sei es um Strom zu sparen, sei es damit niemand unbefugt daran geht…
Dazu ist der Ruhezustand (engl.: Hibernation, eigentlich „Winterschlaf“) da. Er schreibt den Zustand des Systems auf die Festplatte des Rechners (weswegen der Ruhezustand gelegentlich auch „Suspend To Disk“ heißt), von wo aus er beim nächsten Hochfahren wieder gestartet werden kann. Der Effekt ist, dass man genau da weiter arbeitet (oder was auch immer tut, wenn man nicht arbeitet 😉 ), wo man aufgehört hat.

Unter Ubuntu-Derivaten ist der Ruhezustand seit 11.10 standardmäßig deaktiviert. Im Ubuntuusers-Wiki findet sich (siehe voriger Link) eine ausführliche Anleitung für diverse Ubuntu-Versionen. Eine alternative Möglichkeit bietet ein einzeiliges Skript, das ich mir mal geschrieben habe.

In diesem Artikel stelle ich nicht nur das Skript vor, sondern leite auch durch den Prozess, ein solches Skript in einem System einzusetzen. Das tue ich hauptsächlich für Anfänger; wer das also schon längst kann, kann den zweiten Teil des Artikel getrost ignorieren.

Das Skript selbst sieht so aus:


#!/bin/bash
# This program is free software; you can redistribute it and/or modify
# it under the terms of the GNU General Public License as published by
# the Free Software Foundation; either version 2 of the License, or
# (at your option) any later version.
#
# This program is distributed in the hope that it will be useful,
# but WITHOUT ANY WARRANTY; without even the implied warranty of
# MERCHANTABILITY or FITNESS FOR A PARTICULAR PURPOSE. See the
# GNU General Public License for more details.
#
# You should have received a copy of the GNU General Public License
# along with this program; if not, write to the Free Software
# Foundation, Inc., 51 Franklin Street, Fifth Floor, Boston,
# MA 02110-1301, USA.

# using kernel konfig to hibernate
echo disk | sudo tee /sys/power/state

Was tut das Skript?

zunächst wird mit dem echo-Befehl die Zeichenkette „disk“ ausgegeben. Die Pipe, der senkrechte Strich, gibt die Ausgabe des Befehls (also hier: das Wort „disk„) an den folgenden Befehl weiter. Dieser muss mit sudo ausgeführt werden, weil auf eine Datei zugegriffen wird, zu der nur root Schreibzugriff hat: Die Datei /sys/power/state. Der Befehl „tee“ dient dazu, etwas in eine Datei zu schreiben, in diesem Fall das durch die Pipe übergebene „disk„. Jetzt könnten einige findige Leser aufmerken und sagen: „Warum kann ich das nicht direkt mit ‚echo‚ machen? ‚sudo echo disk > /sys/power/state‚ ist doch viel komfortabler!“
Leider funktioniert es so einfach nicht, denn durch die Code-Weiterleitung (im Skript durch die Pipe, hier durch ‚>‚) wird der Befehl gewissermaßen an eine neue Instanz übergeben; diese hat aber keine Root-Rechte erhalten. Daher erhält man einen Fehler:

bash: /sys/power/state: Keine Berechtigung.

Der Befehl ‚tee kann allerdings problemlos mit sudo erweitert und dadurch mit den benötigten root-Rechten ausgeführt werden. ‚tee‚ kann auch noch mehr: Wer sich dazu informieren möchte, sollte die manpage konsultieren (man tee).

Jetzt kommt aber der spannende Teil: Dieses Stückchen Code ist bisher nichts wert, weil es nur eine Textdatei ist. Wie macht man aus dieser Textdatei ein Werkzeug, um seinen Rechner zu bedienen?

Zunächst muss der Code gespeichert werden: Man kopiert ihn in eine Textdatei, wozu man seinen bevorzugten Editor verwendet, zum Beispiel gedit. Dann speichert man die Datei unter einem Dateinamen, den man sich merkt, und legt sie an einem Ort ab, von dem man danach auf die Datei zugreifen möchte. Viele verwenden für Skripte den Ort ~/bin (also einen Ordner „bin“ im Home-Verzeichnis), nachempfunden den Systemordnern /bin, /usr/bin usw. Ich persönlich habe meinen Ordner ‚.bin‘ genannt, sodass er im Home-Verzeichnis nicht zu sehen ist, das ist aber nicht nötig. Um diesen Ordner anzulegen, sollte er noch nicht existieren, kann man selbstverständlich ebenfalls das Terminal benutzen, was im weiteren Verlauf vorausgesetzt wird (ich gehe davon aus, dass meine gebildeten Leser in der Lage sind, auf graphischem Weg einen neuen Ordner anzulegen und zu benennen):

mkdir -p ~/bin

Sollte man das Skript seiner Wahl nicht erst selbst in eine Textdatei kopiert, sondern sie von anderer Stelle erhalten haben (von einer Website, von Freunden o. Ä.), dann kann man die Datei nun an den Zielort verschieben. Dazu navigiere man in das Verzeichnis, in dem man die Datei hat (im Beispiel wird das ~/Downloads) und verschiebe die Datei:


cd ~/Downloads
mv ./hibernate.sh ~/bin

Damit aus der Textdatei nun ein Skript wird, muss man eine von zwei möglichen Wegen einschlagen. Zunächst muss man jetzt gar nichts mehr tun: Die Datei kann im Terminal ausgeführt werden, wenn man angibt, mit welchem Interpreter sie ausgeführt werden soll:

/bin/bash ~/bin/hibernate.sh

Dieser Aufruf wird das Skript starten. Allerdings ist es bei Skripten üblich, sie als ausführbar zu kennzeichnen und sich so den Aufruf des Interpreters sparen zu können.
Werfen wir einen Blick in die allererste Zeile des Skriptes. Diese ist auskommentiert, hat aber eine spezielle Form:

#!/bin/bash

Mit dieser sogenannten „Shebang“ (#!) wird dem Kernel signalisiert, dass er in dieser Zeile den Interpreter findet. Der Interpreter selbst führt die Zeile allerdings nicht aus, da das Doppelkreuz die Zeile als Kommentar markiert.

Das allein reicht allerdings noch nicht, um die Datei auszuführen. Beim Versuch, sie im Terminal auszuführen, erhalten wir wieder den Fehler „Keine Berechtigung“. Sie muss zuerst als ausführbar markiert sein. Dies erreichen wir mit dem Befehl chmod:

chmod +x ~/bin/hibernate.sh

chmod manipuliert die Zugriffsrechte einer Datei. Auch hierzu empfielt es sich, einmal die manpage und den Eintrag im Ubuntuusers-Wiki zu lesen. In diesem Fall fügen wir ein Recht hinzu (+), nämlich das des Ausführens (x, von eXecute).

Nun kann das Skript jederzeit durch seinen Namen ausgeführt werden:

~/bin/hibernate.sh
[sudo] password for alex:

disk

So ähnlich dürfte die Ausgabe aussehen. Das „disk“ hier kommt daher, dass wir ja im Code „echo ‚disk‘“ stehen haben. Also wird ‚disk‚ auch ausgegeben.

Wem das immer noch zu umständlich ist, bleiben noch zwei Möglichkeiten, den Prozess zu beschleunigen.
Zunächst kann ein alias definiert werden, ein „Schnellbefehl“, bei dem man weniger tippen muss. Ich habe mich für den Befehl ‚gotosleep‚ verwendet, weil ich durch die Auto-Vervollständigung der Bash dann nur „got“ tippen muss, bevor der Befehl automatisch vervollständigt wird. Es ist aber jeder beliebige Name denkbar, solange er nicht zufällig Name einer eingebauten Bashfunktion ist: Es wäre sehr dumm, sein Skript mit dem Namen ‚chmod‚ zu versehen, denn wie wir gesehen haben, existiert dieser Befehl schon und hat eine wichtige Funktion.

Ein Alias legt man auf folgende Weise an:

alias name='befehl'

In unserem Beispiel wäre das also:

alias gotosleep='~/bin/hibernate.sh'

Diese Zeile so in sein Terminal einzutippen wäre allerdings keine langfristig kluge Lösung, denn beim Schließen verfällt das alias. Man kann die Zeile daher in die dafür vorgesehene Datei ~/.bash_aliases eintragen (anlegen, falls diese noch nicht existiert). Eventuell muss man noch sicherstellen, dass sich folgender Code in der Datei .bashrc befindet, oder ihn gegebenenfalls einfügen:


if [ -f ~/.bash_aliases ]; then
. ~/.bash_aliases
fi

Auf diese Weise wird jedes Mal, wenn ein Terminal geöffnet wird, die Datei .bash_aliases eingelesen und damit werden sämtliche aliases, die man dauerhaft verwenden möchte, aktiviert.

Die zweite Möglichkeit, schnell auf seine Skripte zuzugreifen, ist die Verwendung der PATH-Variablen. Dies ist dann von Vorteil, wenn sich in ~/bin einige Skripte angesammelt haben und man nicht für jedes Skript ein eigenes alias schreiben möchte.

Die PATH-Variable ist eine Variable, in der alle Dateipfade abgespeichert sind, die automatisch durchsucht werden. Das heißt, befindet sich der Dateipfad ~/bin/ in der Variablen PATH, muss dieser Teil der Eingabe nicht mehr geleistet werden, sondern man kann direkt den Namen des Skriptes aufrufen:

hibernate.sh

Um einen Pfad in die PATH-Variable hinzuzufügen, muss man zwei Schritte durchführen:

  1. PATH um ~/bin erweitern
  2. die Terminal-Sitzung neustarten oder die Datei, in der PATH festgeschrieben wird, neu einlesen

auf bash-isch heißt das so:


PATH=$PATH:~/bin
export PATH

Dadurch wird in die Variable PATH der Inhalt der alten Variable PATH geschrieben; hinten wird, getrennt durch den Doppelpunkt, der neue Ort mit angegeben. Durch „export PATH“ wird die neue ‚Umgebung‘ der PATH-Variablen aktiviert.
Da wir auch das lieber dauerhaft haben wollen als nur bis zum Ende der Terminal-Sitzung, wird diese Zeile in die Datei .bashrc eingetragen:


PATH=$PATH:~/bin
export PATH

Um diese Änderung sofort gültig zu machen, kann man nun entweder seine Terminal-Sitzung schließen und eine neue starten oder man bindet die Datei .bashrc einfach für die Sitzung neu ein:

source .bashrc

Fertig! Die Ausführung war auf Wunsch einer Freundin, die sich gerade als „Terminalpadawan“ versucht, sehr viel ausführlicher als man das sonst von Blogs so gewohnt ist. Sie hat allerdings den Vorteil, dass einem Anfänger so viel Gesuche zunächst erspart bleibt, da man sich nicht die einzelnen Erklärungen, wie was geht, von verschiedenen Quellen zusammensuchen muss, sondern alles an einer Stelle hat.

Falls jemand Verbesserungsvorschläge, Wünsche, Anregungen etc. an diese Anleitung, das Skript oder zu irgendetwas Anderem haben sollte, nehme ich diese gern in den Kommentaren entgegen und ändere den Blogeintrag ggf. ab. 🙂

Herzliche Grüße,
Alex

Advertisements
Veröffentlicht unter Howto, OSBN, Terminal, Tipps&Tricks | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

Textdateien standardmäßig mit vim öffnen

Seit ein paar Tagen benutze ich ganz gerne vim. Ich wollte die Bedienung schon immer einmal lernen, und irgendwann hab ich beschlossen, das ganze einfach mal anzugehen. Es ist auch gar nicht so schwierig, wenn man sich vim-adventures anschaut und vimtutor durcharbeitet.
Jedenfalls wollte ich jetzt nach und nach meinen bisherigen graphischen Standardeditor gedit und den Konsoleneditor nano durch vim ersetzen.

Für nano ist das ziemlich einfach:
mit

sudo update-alternatives --config editor

kann man im Terminal seinen Standardeditor auswählen. Für vim existieren zwei (oder auf manchen Systemen drei) Versionen: (/usr/bin/vim,) /usr/bin/vim.basic, /usr/bin/vim.tiny. Die Unterschiede können hier und hier nachgelesen werden. Man gibt dann einfach die Ziffer ein und bestätigt mit Enter, um nano in vim zu ändern.

Wer gern möchte, dass eine Textdatei standardmäßig mit xfce4-terminal und vim geöffnet wird, kann Folgendes tun:
1. Eine solche Textdatei im Dateimanager anwählen, rechtsklicken: „Öffnen Mit“ → „Mit anderer Anwendung öffnen“ wählen
2. In dem sich öffnenden Popup unten „Einen benutzerdefinierten Befehl benutzen“ wählen und dort eintragen:
exo-open --launch TerminalEmulator /usr/bin/vim
3. Sicherstellen, dass „Standardmäßig für Dateien dieses Typs benutzen“ aktiviert ist.

Daraufhin wird die Datei mit xfce4-Terminal geöffnet, wenn man sie graphisch anwählt.

Veröffentlicht unter OSBN, Terminal, XFCE | Verschlagwortet mit , , , , | Kommentar hinterlassen

in eigener Sache: Der NSA ein Schnippchen schlagen

So, wahrscheinlich bin ich jetzt auf sämtlichen Abschuss-, roten, schwarzen und Teufelslisten, die die NSA so zu bieten hat.

Ich habe Enigmail in meinem Thunderbird eingerichtet, um verschlüsselt Emails senden zu können (siehe auch „Über mich„), habe Tails heruntergeladen, Textsecure läuft schon eine Weile auf meinem Handy, Edward Snowden habe ich bei Facebook abonniert und installiere demnächst noch Redphone auf dem Handy. Außerdem google ich jetzt noch ein wenig nach NSA, Rohrbomben und anderen Späßen. So sollte die angebliche Terroristen-Datenbank (die wohl eher eine Geek-Datenbank in weiten Teilen ist) völlig unbrauchbar werden.

Man muss die Informationen und Programme, die man auf diese Weise erhält, ja nicht nutzen, denn das googlen nach diesen Begriffen reicht schon aus, um in dieser Datenbank zu landen. Wer also mithelfen möchte, das Datensaugen ein bisschen zu untergraben, ist herzlich eingeladen, meine Schritte zu wiederholen.
Denkt daran: Je mehr von uns es tun, desto nutzloser wird die Datenbank und desto weniger wirklich wertvolle Informationen kann man über uns sammeln. 🙂

Herzliche Grüße,

Luyin

Veröffentlicht unter OSBN, Sicherheit | Verschlagwortet mit , , , , , | 8 Kommentare

Banshee in XFCE mit den Medientasten steuern

Wer Banshee in XFCE wie unter Unity oder anderen DEs mit den Medientasten der Tastatur steuern möchte, fügt folgende Befehle unter Tastatur → Tastenkürzel für Anwendungen hinzu:


qdbus org.mpris.MediaPlayer2.banshee /org/mpris/MediaPlayer2 org.mpris.MediaPlayer2.Player.PlayPause → Play/Pause-Taste

qdbus org.mpris.MediaPlayer2.banshee /org/mpris/MediaPlayer2 org.mpris.MediaPlayer2.Player.Next → Next-Taste

qdbus org.mpris.MediaPlayer2.banshee /org/mpris/MediaPlayer2 org.mpris.MediaPlayer2.Player.Previous → Previous-Taste

Die genannten Tasten werden von XFCE dann als „XF86Audio(Play|Next|Prev)“ angezeigt.

 

Gefunden hier.

Veröffentlicht unter OSBN, Tipps&Tricks, XFCE | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen

Digitale Mindmaps erstellen mit VYM

Auf der Suche nach einer Anwendung, mit denen man Mindmaps erstellen kann, bin ich auf VYM (View Your Mind) gestoßen. VYM ist eine QT-Anwendung, die ich euch in diesem Artikel kurz vorstellen möchte. Ich habe mich für sie entschieden, weil es die einzige im Ubuntuusers-Wiki vorgestellte ist, die auf die Installation von zusätzlicher Software (meistens eine JRE) verzichtet und die nicht von Fremdquellen installiert werden muss.

Aufbau

Das Hauptfenster von VYM begrüßt uns mit einer neuen Mindmap und dem Baumeditor. Das gelbe Feld ist das gerade markierte. Die Markierung kann man mit Pfeiltasten oder mit Anklicken setzen. Neue Zweige fügt man mit einem Rechtsklick auf den gewünschten Zweigpunkt → Hinzufügen → Neuer Zweig (einfügen, oben, unten) oder mit den dort angegebenen Tastenkombinationen hinzu (A: hinzufügen; Shift + Einf: Oberhalb des Zweiges hinzufügen; Strg + Einf: Unterhalb d. Zweiges hinzufügen). Ich persönlich bevorzuge die Tastaturbedienung, denn hat man sich erst einmal die (relativ einfachen) Kombis angewöhnt, geht das ganze deutlich schneller.

Eine Vielzahl von Toolbars und Fenstern sind dockfähig, das heißt sie können entweder im Applikationsfenster verankert oder frei schwebend anderswo auf dem Bildschirm platziert werden. Nützlich finde ich vor allem die Notizen zu einem Zweigpunkt (Tastenkürzel N) und den „Property Editor“ (Kürzel P), in dem man Farben und Rahmen hinzufügen kann. Der eigentliche Eintrag des Zweiges lässt sich über Enter oder mit „E“ im „Editor Zweigbeschriftung“ bearbeiten; hier lässt sich etwa die Beschriftung mit Rich Text formatieren.

vym-übersicht
VYM mit einigen geöffneten Docks.

Ein sehr praktisches Feature von VYM ist, dass es zulässt, beliebige Teile einer Mindmap zu exportieren. Jedes Dock bringt daher sein eigenes Fenstermenü mit, in dem man den ausgewählten Teil speichern kann. Auch lassen sich einzelne Teile der Map als  zu verbergende (Kürzel H) markieren. Diese tauchen dann in einem Export einfach nicht auf.

Meine Erfahrungen mit VYM

Wie man in dem Screenshot oben erkennen kann, habe ich eine Mindmap für ein Uni-Projekt erstellt. Dabei habe ich die verschiedenen Farben zur Gruppierung und die Notizen für Literaturverweise genutzt. Gerade in Verbindung mit einer Literaturverwaltung wie Zotero lässt sich hiermit die Arbeit sehr vereinfachen.

Was sehr gut funktioniert, sind die verschiedenen Docks, die man sich wirklich platzieren kann, wo und wie man möchte. Mir persönlich gefällt es, alles verborgen zu haben und es jeweils bei Bedarf im Hauptfenster  zu aktivieren, aber jemand mit kleinerem Bildschirm freut sich sicher darüber, den unnützen Zusatz wie bei Gimp einfach woanders auszulagern. Dazu ist es ein großer Vorteil, dass man VYM wirklich komplett mit der Tastatur bedienen kann.

Was leider nicht so gut funktioniert, ist die Navigation mit den Pfeiltasten, die manchmal etwas merkwürdig funktioniert. Befindet man sich zum Beispiel auf einem Zweig der Map, der früher mal (vor einem Verschieben) auf der anderen Seite des übergeordneten Knoten saß, führt manchmal der Druck auf ← nicht dazu, dass man nach links geht, sondern dahin, wo früher links war. Auch ist es manchmal nicht möglich, einen gemachten Arbeitsschritt rückgängig zu machen – man erhält eine kryptische Fehlermeldung und weiß hoffentlich noch, wie es vorher aussah, sodass man es von Hand ändern kann. Ein weiterer Minus-Punkt ist, dass man nur die erste Ebene der Unterpunkte zu einem Map-Zentrum beliebig verschieben kann – alle anderen werden automatisch angeordnet (was sinnvoll ist), aber manuell ist es nicht möglich. Ein Minus gibt es außerdem noch für Windows-User: Dafür existiert nämlich schon seit langem keine aktuelle Version mehr.

 

Alles in Allem ist VYM eine ganz nette Sache. Ich benutze es sehr gern, auch wenn mich die genannten Punkte ein wenig stören. Das könnte durchaus noch ein bisschen besser funktionieren.

VYM erhält man unter Ubuntu und Gentoo in den Paketquellen.

Veröffentlicht unter Applikationen, OSBN, Workflow | Verschlagwortet mit , , | 3 Kommentare

Teil 2: Umstieg von Win XP auf Xubuntu

Nachdem hier eine Weile Ruhe geherrscht hat, nehme ich mir jetzt mal die Zeit, über bereits erwähnten Umstieg meiner Mutter zu Xubuntu zu berichten. Damals bin ich von einigen Punkten ausgegangen, die vor dem Umstieg zu bedenken wären.

Beim konkreten Umstieg, der nun schon eine Weile zurückliegt, bin ich dann auf ein paar Herausforderungen gestoßen (um nicht Schwierigkeiten zu sagen).

Diese bestanden aus mehreren Einzelheiten:

  1. Die Export-Optionen von M$-Outlook sowie Internet Explorer sind inkompatibel zu Mozilla Thunderbird;
  2. Bestimmte VPN-Verbindungen in einige Firmen-Netzwerke verwenden Optionen, die von Network-Manager nicht unterstützt werden;
  3. diverse proprietäre Software ist für Linux nicht verfügbar.

Leider waren mir Punkt 2 und 3 vor dem Umstieg nicht bekannt, sonst hätte ich mir den Umstieg drei mal überlegt (und schlussendlich vielleicht einfach gelassen). Aus den vielen in diese Aktion investierten Stunden (in denen ich zum Glück auch noch etwas über Netzwerke gelernt habe) habe ich jedenfalls die Konsequenz gezogen, nie wieder zu versuchen, Bekannte von Linux zu überzeugen. Sobald da auch nur ein proprietäres Programm wirklich benutzt wird (ich sage nicht gebraucht – denn was vermeinlich gebraucht wird, kann ja in vielen Fällen durch FLOSS ersetzt werden), dementsprechend Arbeitsabläufe bekannt sind, die nicht geändert werden möchten etc., ist der Aufwand für mich, den Umstieg und die Zeit danach zu betreuen, einfach zu groß. Dazu fehlt mir die Zeit und die Lust. Ich werde höchstens noch Kommilitonen zu Ubuntu raten, denn bei denen weiß ich, welche Software sie benutzen oder brauchen.

Zum Punkt 1 gibt es allerdings glücklicherweise eine recht einfache Lösung:

  • Man installiere Thunderbird auf besagtem Rechner noch unter Windows. Nach der Installation startet man den Import-Assistenten: Extras → Importieren
  • Im Dialogfenster wählt man dann Outlook oder Outlook Express, je nachdem, was man verwendet hat. Bei mir war es Outlook. Nach der Bestätigung läuft der Import. Das kann je nach Größe des Postfachs (der Postfächer) eine Weile dauern.
  • Danach sichert man den Profilordner von Thunderbird irgendwo extern, zum Beispiel auf USB-Stick oder Festplatte. Dieser befindet sich unter Windows XP in C:\Dokumente und Einstellungen\%Benutzername%\Anwendungsdaten\Thunderbird\Profiles. Unter anderen Windows-Versionen ist dieser Ort ggf. unterschiedlich: Siehe hier.
  • Nach dem Umstieg auf (X)ubuntu öffnet man den Profilordner unter Linux, $HOME/.thunderbird/ , und kopiert den Profilordner aus Windows hinein, z. B. im Terminal mit mv Pfad/zum/Windowsprofil $HOME/.thunderbird/
  • Als nächstes ruft man den Profilmanager von Thunderbird auf, erstellt ein neues Profil, wählt „Choose Folder“ und gibt den oben angegebenen Profilpfad an. Die bisher genutzten Emailkonten, Adressen etc. landen dann automatisch in Thunderbird.

 

Für die meisten anderen Problemchen gab es leider keine schnellen Lösungen, nur sehr viele, sehr langwierige, die sich nur mit professioneller Hilfestellung (und teils noch gar nicht, wegen mangelnder Zusammenarbeit zwischen proprietärer Software und Ubuntu) beheben ließen.

 

Inzwischen läuft es übrigens darauf hinaus, dass meine Mutter wohl einen neueren PC mit Windows 7 bekommen wird. Das Thema wird also vermutlich erledigt sein. Schade eigentlich, andererseits muss ich dann nicht ständig konfuse „foo funktioniert nicht“-Fehlermeldungen bearbeiten 😉

 

Viele Grüße,

Luyin

 

PS. Die hier genannten Lösungsansätze stammen teilweise aus dem Ubuntuusers-Wiki: 1 und 2.

Veröffentlicht unter OSBN, Ubuntu, Umstieg, Windows | Verschlagwortet mit , , , , | 4 Kommentare

Howto: Läuft Caffeine noch?

Heute gibt es von mir mal wieder nur einen kurzen Beitrag, weil ich unter chronischem Zeitmangel leide (wie wohl die meisten auf diesem Planeten…).

 

Seit einem Update von Caffeine zeigt dieses kein Indicator unter Gnome-basierten DEs an. Viele, mich eingeschlossen, dachten hier vielleicht sogar, dass Caffeine gar nicht mehr läuft, sondern abgestürzt ist oder sonst was schlimmes.

 

Es ist aber gar nicht so tragisch. In Wahrheit haben die Entwickler sich dazu entschieden, Caffeine zu einem Daemon zu degradieren – ob man das nun gut findet oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Caffeine sollte aber noch laufen – im Hintergrund eben.

Überprüfen kann man die Funktionalität mit dem einfachen Befehl

 

sudo ps aux | grep caffeine

 

Die Ausgabe sollte etwa so aussehen:

alex@ubuvilion:~$ sudo ps aux | grep caffeine
[sudo] password for alex:
alex 2430 0.0 0.3 148124 15736 ? Sl 15:47 0:00 /usr/bin/python3 /usr/bin/caffeine
alex 3474 0.0 0.0 17452 920 pts/1 S+ 16:03 0:00 grep --color=always caffeine

Der zweite Befehl ist logischerweise der eben ausgeführte, die Suche mit grep nach caffeine. Der erste ist der, der uns interessiert: Caffeine läuft.

Ich hoffe, dass das jemandem helfen konnte 🙂

Herzliche Grüße und einen schönen Sommertag!
Alex

Veröffentlicht unter Howto, OSBN | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Goodbye Gentoo(?)!

Ich bin leider an einem Punkt angekommen, an dem ich mich entscheiden muss, was mir wichtiger ist. Mein Studium hat ein bisschen unter dem Hobby gelitten – ich geb es zwar ungern zu, aber Gentoo hat mich zwar viel gelehrt – aber mich auch stark abgelenkt. Es vergeht quasi keine Woche, in der ich nicht irgendwelche Dokumentationen lese, weil es weniger Zeit kostet, eine Terminalanwendung zu verwenden, als ein neues Programm mit GUI zu kompilieren. Aber ist die Zeit dann sinnvoll investiert, wenn man stattdessen eine Menge man-Pages und Forenbeiträge lesen muss?

Aus Gentoo-Sicht: klar! Denn man lernt sein eigenes System wirklich gut und gründlich kennen und lernt darüber hinaus natürlich auch so etwas wie Probleme in Teilprobleme zu zerlegen (welches Programm kann einen Teil zur Lösung des Problems beitragen?). Allerdings hat das einen Haken – der Tag hat nunmal nur 24 Stunden, und im Studium (das in meinem Fall ja mit Computern eher wenig zu tun hat) ist jede Stunde wertvoll. Da ist es wichtig, dass das System einfach nur läuft und nicht stört.

Deswegen verabschiede ich mich von Gentoo und wechsle zurück zu Ubuntu. Ich entscheide mich bewusst für die Unity-Oberfläche (im Wissen um ihre Mängel!), weil sie – im Gegensatz zu meinem Liebling XFCE – komplett über die Tastatur bedienbar ist (mit Gnome und KDE konnte ich mich einfach noch nie anfreunden) und wenig im Weg ist. Bei Ubuntu ist alles vorkonfiguriert und das System läuft in gefühlten 99% der Fälle einfach stabil, ohne dass man etwas Anderes tun muss als die Updates zu bestätigen.

Mit der diese Woche anstehenden Veröffentlichung der LTS-Version 14.04 mache ich also gefühlt einen Schritt zurück. Das heißt aber nicht, dass hier keine Beiträge mehr zu Gentoo erscheinen (ich gebe ja zu, dass es auch bisher nicht viele waren), denn ich versuche, mich weiter einzubringen und mit Informationen auf dem neusten Stand zu halten.

 

Ich habe Gentoo eine Menge zu verdanken, denn ich habe wirklich einiges lernen können (auch über mich selbst), das mich auch unter Ubuntu nicht verlassen wird. Und zur Sicherheit, falls es mich doch packt, sichere ich die wichtigen Config-Dateien aus Gentoo (make.conf, package.* in /etc/portage) 😉

 

In diesem Sinne: Hoffentlich auf bald, Gentoo, und danke für alles! Welcome back Ubuntu! 🙂

 

Viele Grüße,

Alex

Veröffentlicht unter Gentoo, OSBN, Ubuntu, Umstieg | Verschlagwortet mit , , , | 1 Kommentar

Spielempfehlung: 2048

Damit der Blog nicht so leer und ungepflegt wirkt, ich aber momentan nicht so viel Zeit zur Verfügung habe, kommt hier nur mal eine Kleinigkeit.

Seit kurzem existiert das Spiel 2048 auf Github. Dabei handelt es sich um ein Denk-/Logikspiel. Es geht darum, auf einem 4×4 großen Feld Kacheln mit gleichen Zahlen miteinander zu verbinden, um möglichst die Zahl 2048 zu erreichen. Was sich simpel anhört, ist gar nicht so einfach, denn es tauchen ständig neue Kacheln auf (anfangs immer mit der 2, später auch mit der 4 darauf; höhere habe ich noch nicht bemerkt, aber vielleicht gibt es auch die), die einem den Weg versperren. Das Spiel ist zu Ende, wenn man keine Bewegungsmöglichkeiten mehr hat.

2048 wurde von Gabriele Ciruli, einem Web-Entwickler und Designer geschrieben und basiert auf ähnlichen Spielen wie 1024 und Threes (beide nicht getestet).

Seit Kurzem ist 2048 auch als Paket für Ubuntu verfügbar. Für Gentoo gibt es das Spiel leider noch nicht, aber da ich demnächst auch WLAN haben werde, ist mir das dann egal, dann spiele ich es weiterhin im Browser. Der Code ist auf Github einsehbar.

Als nettes Spiel für zwischendurch eignet es sich nur mittelmäßig gut: Es hat so einen hohen Suchtfaktor, dass man erst Stunden später aufhören kann 😀

 

Insgesamt kann man 2048 also nur empfehlen!

 

Herzliche Grüße,

Alex

 

PS: Ich hätte gern Screenshots hinzugefügt, um den Post ein bisschen ansprechender zu gestalten. Allerdings hat Gabriele auf meine Email nicht geantwortet. Ich war mir mit Bildrechten in diesem Fall nicht sicher und hatte daher den Rat eines Users im Freenode-Channel #ubuntu-de-offtopic befolgt, Gabrieles Einverständnis einzuholen. Allerdings frage ich mich, ob das bei Spielen wirklich relevant ist.

 

PPS: Das kommt davon, wenn man einen Post zu lange liegen lässt, bevor man ihn veröffentlicht. Christoph Langner hat hier auf ein Bash-Skript verwiesen, durch das man 2048 im Terminal spielen kann 🙂

2048-bash-screenshot

Veröffentlicht unter Spiele | Verschlagwortet mit , | Kommentar hinterlassen

Howto: Windowspartition (z. B. USB-Stick) mittels fstab einhängen

Seit neustem hängt mein Gentoo meine USB-Sticks und externe Festplatten nicht mehr unter /media/ ein wie früher, sondern unter /run/media/$USER/ . Ich weiß nicht genau, warum es das tut, und eigentlich tut es auch nicht weh. Aber Gentoo is about choice, also habe ich mich entschieden, zumindest für meinen USB-Stick das Verhalten einfach festzulegen.
Das geschieht mittels Eintrag in der Datei /etc/fstab. Die Syntax der Datei kann in der man-Page ($ man fstab) oder im Ubuntuusers-Wiki nachgelesen werden.

Der Eintrag, den ich für mich gewählt habe, sieht so aus:

# <fs>        <mountpoint>    <type>    <opts>    <dump/pass>
UUID=0359-DBC9 /media/Mini vfat uid=1000 0 0

Wofür steht der Spaß?
Die UUID ist deswegen nützlich, weil der USB-Stick an verschiedenen Orten in /dev eingehängt werden kann. Meiner befand sich etwa schon unter /dev/sdb1 und unter /dev/sdc1. Die UUID bleibt gleich, solange der Stick nicht neu formatiert wird, also ist auch nur ein Eintrag in fstab nötig.
Der mountpoint ist die Stelle im System, an der ich den Stick gern hätte. Da ist theoretisch jeder Ort möglich, auch ein Directory in /home oder in /mnt, wer das gern hätte. Oder jede andere.
Der Typ hängt natürlich von der Formatierung des Sticks ab. Da dieser auch unter Windows und Mac gelegentlich benutzt wird, habe ich ihn in FAT32 formatiert.
Die UID 1000 ist dem ersten normalen User (nicht root) zugewiesen und sorgt dafür, dass ich problemlos auf den Stick zugreifen kann. Dies ist bei den gängigen Linux-Formatierungen (ext[2-4], reiserfs, brtfs etc.) soweit ich weiß nicht nötig, bei Windows-Formatierung aber eine sinnvolle Ergänzung.
Laut oben bereits genanntem UU-Wiki sollten Dump/Pass unbedingt auf „0 0“ gesetzt sein, weil Windows-Formatierungen keine Datenträgerprüfung beim Booten unterstütze. Hiermit habe ich mich nicht intensiver beschäftigt, glaube dem Wiki aber und übernehme die Einstellungen deswegen so.

Veröffentlicht unter Howto, OSBN, Tipps&Tricks | Verschlagwortet mit , , | Kommentar hinterlassen